Der Anfang der Stecke, eine echte Herausforderung. Gleich nach dem Frühstück ging es erst Mal wieder die zwei Kilometer bergauf zurück nach Crozant 🙁 Dafür gabs dann oben eine wirklich schöne Aussicht auf den Fluss Creuse. Einmal durch das Dorf und auf der anderen Seite den Berg wieder runter zum nächsten Fluss (der Sédelle).
Was nun folgte war eine der schönsten Strecken auf unserer Wanderung, malerisch am Fluss entlang mit vielen alten Mühlen die zu Künstlerateliers und Werkstätten umgebaut waren. Die ganze Zeit gab es auch Hinweistafeln von berühmten Künstlern die hier gelebt, oder auch nur kurz gemalt hatten. Vor allem die Impressionisten waren sehr von diesem Ort angetan, da sie versuchten die Sédelle in ihren
Bildern einzufangen. Ein Maler hat sogar seine letzten 30 Lebensjahre damit verbracht jeden Tag aus gleicher Perspektive ein Bild der Sédelle zu malen, weil er auf der Suche war ihre Seele in einem seiner Bilder einzufangen.
Nach ziemlich kurzer Zeit (die Strecke war nur 14km lang) kamen wir in
Saint-Germain-Baupre an. Da unser Gastherr uns schon vorgewarnt hatte, dass das örtliche Restaurant geschlossen und er nichts zu essen für uns habe, hatten wir uns unterwegs noch einmal mit Vorräten ausgestattet, so dass wir wenigstens für den Abend was hatten.
Die Übernachtung war ziemlich gruselig (wenn ihr mich fragt). Es gab ein Doppelzimmer und dann sollte eine von uns vor dem Badezimmer und der Toilette im Keller schlafen (die der Sohn des Gastherren (irgendwas um die vierzig) auch mitbenutze). Nach zwei Sekunden war uns klar, dass keine da unten alleine schlafen will (vor allem weil es aus der Toilette wirklich bestialisch nach chemischem Reinigungsmittel und / oder verendeter Ratte stank). Also haben wir für ein paar Euro mehr das neben unserem Doppelzimmer befindliche Zimmer mit Doppelbett dazu gebucht und waren so wenigstens zimmermässig nebeneinander. Nach dem Auspacken hatten wir uns mit unserem Gastherren (einem ehemaligen Lehrer) bei der örtlichen Kirche verabredet und er machte eine wirklich sehr interessante Führung mit uns.
Er hat uns viel über die Geschichte der Kirche und die des Ortes erzählt, so hieß Saint-Germain-Baupre früher Saint-Germain-de-Fôret (grob übersetzt Sankt Germain vom Wald) weil der Ort früher von Wald umgeben war, bis die Bäume abgeholzt wurden um Platz für Ackerland und mehr Wohnraum zu schaffen und Baupre soll eine alte Version von Feld (oder so ähnlich) sein. Die kurze Führung war wirklich interessant, nur ein bisschen anstrengend, da ich mir alle Fakten merken und dann ins Deutsche übersetzen musste (ein bisschen wie in der Schule).
Am nächsten Morgen wollte er schnell weg und meinte, dass wir unser Frühstück um 7:00 bekämen. Das sollte unser frühester Aufbruch der gesamten Wanderung werden.

